Schöne neue Welt? – Endzeit, Umbruch, Aufbruch...

Autorenwoche vom 10. bis 16. April 2016

Utopien, Dystopien – unsere Vorstellungen von einer zukünftigen Welt können positiv idealisierend oder aber negativ bedrohlich sein.

Gerade die bedrohlichen Szenarien spielen derzeit in der Jugendliteratur eine große Rolle und erreichen wie im Fall der „Tribute von Panem“ als Verfilmung ein Millionenpublikum. Das Gleiche gilt für Endzeit-Szenarien, wie sie in  Katastrophenbüchern und -filmen beschworen werden: Zombies oder Seuchen löschen die Menschheit beinahe aus und zwingen die wenigen Überlebenden,  sich umzuorientieren und zu neuen Lebensformen aufzubrechen.

Schon immer waren Menschen fasziniert von den Visionen einer Welt von morgen und haben diese in Bildern und Texten festgehalten (bekanntestes Beispiel ist die Apokalypse von Johannes, die sich in der Bibel findet). Für nachfolgende Generationen war es immer spannend, diese mittlerweile zur realen Gegenwart gewordenen Aussagen auf ihren Wirklichkeitsgehalt zu prüfen: Ist das, wie sich frühere Menschen ihre Zukunft vorgestellt haben, denn auch so eingetreten?

„Schöne neue Welt“, Aldous Huxleys berühmter „Roman der Zukunft“ aus dem Jahr 1932,  ist mit seinem  Romantitel Teil unseres Mottos der Schülerlesetage 2016 , und ist mit einem dicken Fragezeichen versehen: Ist die hier geschilderte Zukunftsvision wirklich die einer „schönen“ neuen Welt? Dieser Frage werden sich Kinder und Jugendlichen in der Stadt und dem Landkreis Göttingen schon vor Beginn der Autorenwoche, die vom 10. bis 16.4.2016 stattfinden wird, stellen, so der Kurs Darstellendes Spiel der 11. Klasse des Göttinger Felix-Klein-Gymnasiums, der sich sprachlich-tänzerisch mit der düsteren Welt aus Ray Bradburys Roman "Fahrenheit 451" auseinandersetzen wird.

Doch auch losgelöst von diesem konkreten Roman bietet das Motto viele reflektorische und gestalterische Möglichkeiten. Wie stellen sich Schülerinnen und Schüler ihre ganz persönliche zukünftige Welt vor?
Durch die Erweiterung  mit den Begriffen „Endzeit, Umbruch, Aufbruch“ bekommt unser Motto zusätzlich eine historische und gleichzeitig eine aktuelle Dimension. Krisen wie der 2. Weltkrieg, der kalte Krieg, die atomare Bedrohung oder der Mauerfall stellten sich als Endzeit dar, aus der heraus  die Notwendigkeit des Umbruchs und der Wunsch nach Aufbruch nur natürlich war. Wie sahen die Visionen einer neuen Welt für unsere Eltern- und Großeltern aus?

Durch die aktuelle Flüchtlingsproblematik rücken die Aspekte „Umbruch“ und „Aufbruch“ derzeit auch ganz nah an uns heran: Welche Beweggründe veranlassen Zigtausende, ihre vertraute Welt hinter sich zu lassen? Was für Vorstellungen einer besseren Welt leiten diese Menschen, aus ihrer Heimat aufzubrechen?

Die fünf Autorinnen und Autoren, die vom 10. bis 16. April in Göttingen waren, um für Kindergartenkinder, Schülerinnen und Schüler zu lesen, brachten mit ihren Büchern ihre eigenen Ideen zur  „neuen Welt“ ein. Und unsere begleitenden Projekte haben es den Kindern und Jugendlichen ermöglicht, sich selbst zu fragen: Wie sieht meine „schöne neue Welt“ aus? Muss es eine Endzeit geben, um aufzubrechen? Wie ist mein Zugang zum Umbruch im Leben gleichaltriger Flüchtlinge?

Somit boten die Schülerlesetage 2016 viele Ansätze, den Fragen nach einer „Schönen neuen Welt“ nachzugehen und diese auch umzusetzen.